Sie kennen doch Heizpilze! Früher hat man diese mit Gasflaschen betriebenen globigen Monster nur auf Weihnachtsmärkten bestaunen können, aber mittlerweile sind sie das ganze Jahr über allgegenwärtig. Vorzugsweise verbrennen sie an klaren April-Abenden SzenetypInnen im Prenzlauer Berg während des Abendessens im schicken Restaurant die eine oder andere Gesichtshälfte, während gleichzeitig die Füße frieren. Aber die Sache scheint sich ja zu rentieren, sprießen die Pilze doch - ja, wie nur - ja, wie Pilze aus dem Boden. Irgendwie komisch, alles redet übers Energiesparen, aber anfangen will niemand. Schon gar nicht beim chilligen Abendessen…
Die Berliner Abgeordnete Felicitas Kubala von den Grünen hat sich dieses Themas angenommen. Der Verbrauch dieser Gerätschaften ist schließlich kein Pappenstiel, zumindest nach den üblichen Berechnungen. In der Pressemitteilung heißt es:
“Bei ca. 5.000 Heizpilzen in der Stadt bedeutet dies: 10.000 zusätzliche Tonnen CO2 in die Atmosphäre und für den Klimawandel - das entspricht der Jahresemission von 5.000 Autos.”
Freundlicherweise hat mir Kubala auch den Text zur passenden Kleinen Anfrage geschickt. Dort ist die Antwort des Senats auf die Frage nach politischen Handhabungsmöglichkeiten:
“Frage 3. Welche Möglichkeiten sieht der Senat, die klimapolitisch kontraproduktive Ausbreitung der Heizpilze einzuschränken und sind entsprechende Maßnahmen geplant?
Antwort zu 3.: Das Versagen einer Sondernutzung im öffentlichen Straßenland gemäß § 11 des Berliner Straßengesetz ist bisher u.a. möglich, wenn von der Sondernutzung schädliche Umwelteinwirkungen ausgehen würden. Hierbei steht zunächst der Immissionsschutz im Vordergrund. Im Rahmen der geplanten Ausführungsvorschriften zum Berliner Straßengesetz wird der Senat deshalb prüfen, ob und inwieweit Maßnahmen zum Klimaschutz aufgenommen werden können.”
Dabei gibt der Senat unumwunden zu:
“Die Bestrebungen der Berliner Gastronomie, ihren Ausschank unter freiem Himmel durch den zunehmenden Einsatz von flüssiggasbetriebenen Einzelheizungen immer mehr auch auf die kalten Jahreszeiten auszudehnen, steht angesichts der Diskussion zum Klimaschutz und der dramatischen Erkenntnisse hinsichtlich der Klimafolgen aufgrund überhöhter Treibhausgas-Emissionen im starken Gegensatz zu den Zielen der Berliner Umweltpolitik.”
Politik kann NOCH nichts ändern - das kennt man. Wie wäre es denn mal wieder mit dem Verbraucher? Endlich mal eine Chance für uns alle, Zeichen zu setzen (jenseits des täglichen Gewäschs um Mülltrennung und Glühbirnen). Mein Vorschlag: Ab sofort alle Restaurants, die solche Heizpilze aufstellen, boykottieren!
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