Jetzt mal was in eigener Sache: Momentan dreht sich ja wirklich alles nur rund ums Klima. Der Ticker quillt nur noch so über von Meldungen rund um die Heiligendamm-Verhandlungen. Natürlich sind die Ergebnisse des G8-Gipfels wichtig - aber darüber wird leider kaum jemand berichten, ist zu befürchten.
Jetzt gilt es erstmal, bis zum 6. Juni alles medial durchs Dorf zu treiben, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist. Gabriel, Merkel, Schellnhuber machen fröhlich mit. Wer mag es ihnen verübeln - es ist ihre Welle, und sie geben den Surfer. Das ist bloßes Mediengesetz…
Ob allerdings danach das Blatt mit den vier großen Buchstaben (neuerdings selbst Klimaretter) oder andere Leitmedien die Ergebnisse en detail ausdiskutieren werden, wage ich doch zu bezweifeln. Es geht ja um die Spannung des Events, nicht um die nüchternen Zahlen danach. Wer will schon nach der Party aufräumen? Langweilig, nervig…
Und natürlich ist die Hysterie um die Klimaziele übertrieben und unverhältnismäßig. Wird doch niemand der dort Handelnden Verantwortung für ihre Einhaltung tragen müssen.
Nehmen wir an, es klappt wirklich, anspruchsvolle Ziele zur Unterschrift zu bringen, so wird sich doch immer ein Grund finden (9/11 o.ä.), um die Werte nicht einhalten zu müssen können. Und beim Gegenteil? Kommt nichts zu Stande, könnte man doch als Optimist durchaus hoffenm dass dann noch größerer Druck durch die Wirtschaft und Gesellschaft entstehen, und im Endeffekt indirekt vielleicht sogar noch mehr fürs Klima getan wird.
Im Grunde ist die Aufgabe IM MOMENT ohnehin eine andere: Erstens müssen schnell Lösungen gefunden werden, um dem afrikanischen Kontinent endlich auf die eigenen Beine zu helfen. Afrika blickt mehr denn je einer unsicheren Zukunft entgegen. Zweitens: Es muss in Bildung investiert werden - und zwar nicht nur in Afrikta, sondern auf dem ganzen Erdball. Nur mit Wissen und der Fähigkeit zur Reflexion sind die Probleme, die auf uns zukommen, zu meistern. Und schon gar nicht mit dem manischen Blick auf in Stein gemeißelte CO²-Reduktionsziele, die im Zweifel, siehe Kyoto etc., ohnehin nicht eingehalten werden.
Drittens, und das hängt eng damit zusammen: Wir müssen trainieren, mit den kommenden Bedingungen umgehen zu können. Das heißt, wir müssen Veränderung verstehen und akzeptieren lernen. Wir müssen Veränderung gestalten und in ihr dauerhaft leben können. Wir werden in 10 bis 20 Jahren noch viel mobilere und fragilere Gesellschaften auf diesem Planeten haben. Die Globalisierung wird unsere Kommunikation noch mehr entzeitlichen, wir werden im dauerhaften Umbruch leben. Damit umgehen zu können, heißt, auf die Herausforderungen, die der Klimawandel höchstwahrscheinlich bringen wird, als Menschheit umgehen zu können. Der Schlüssel dazu ist Bildung und das Lernen, wie menschliches Zusammensein demokratisch neu zu denken ist. Ein Gesellschaft von Talibans wird dem Klimawandel wohl kaum angemessen entgegen treten können, aber eine Gesellschaft, die in die Bildung ihrer Kinder (damit ist WIRKLICH mehr als die Ausbildung gemeint) investiert, die braucht keine Angst davor zu haben, dass sie sie eventuell in eine gefährliche und unbezwingbare Zukunft entlässt.
Ob wir beim G8-Gipfel dazu etwas hören werden, nun, das darf man nicht unbedingt erwarten. Die Debatte um die Klimaziele wird uns vernebeln und die Sicht rauben - auf das Wichtige.
Ähnliche Beträge
-
-No related posts